TAQSIM – TEILUNG

Links to click

Galery

AUF DER SUCHE NACH DEM ANDEREN

Anläßlich der Ausstellung „Die Kunst der frühen Christen in Syrien' Bei der Vorbereitung meiner Arbeit ließ ich mich inspirieren durch das Kreuz – ein archetypisches Zeichen, welches weltweit in sehr unterschiedlichen Kulturen zu finden ist und heute ein typisches Symbol christlichen Glaubens und christlicher Kunst darstellt. In der Ikonografie der frühen Christen war das Kreuzzeichen jedoch nicht gebräuchlich. Ihre Bilder zeugten von den Predigten und Wundertaten Jesu und waren erfüllt von Leben: Pflanzen, Tiere, Lebensbäume drückten den neuen Glauben der Liebe und Vergebung aus.
Erst im Jahre 431 auf dem ökumenischen Konzil von Ephesos, wo sich ein heftiger Glaubensstreit zwischen Monophysiten und Duophysiten abspielte über das wahre Wesen Jesu, wurde das Kreuz als offizielles christliches Zeichen eingeführt.
Das Kreuz als christliches Symbol hat also mit der Auffassung über das Wesen von Christus zu tun. Man stritt sich über die Frage, ob Christus gottgleich ist, von der gleichen Substanz wie der Vater oder wie die Nestorianer glaubten, eine göttliche und eine menschliche Natur in sich vereine.

Das christlichen Kreuz mit seiner vertikalen Linie stehend für das Göttliche, das als geistige Kraft die horizontale Linie des Irdischen, die Ebene des Menschlichen durchdringt, ist ein passenden Symbol für den bewegten Lebensweg von Jesus und nicht ausschließlich ein Symbol für die Kreuzigung und das Leiden, den Tod und das Jenseits.

In dem Ornament für diese Ausstellung, welches ich entwickelt habe aus einem Motiv des Felsendoms in Jerusalem, erscheinen die hierin anwesenden Kreuze nicht als statische Symbole. Durch ihre Einbindung in ein komplexes Gewebe von hexagonalen Teilungen mit wechselnden Zentren, entsteht ein lebendiger Dialog der einzelnen Elemente im Bereich der Kreuzachsen und führt somit zu einer 2 wechselvollen Dynamik und Beweglichkeit des gesammten Ornaments. Dies offenbart sich dem Betrachter jedoch nur im Prozess des Schauens, ansonsten verbirgt es sich hinter einer fragmentiert anmutenden Oberfläche. Der Prozess des Betrachtens ist ein innerliches Vollziehen des Kreuzzeichens. Und dort wo die Horizontale und die Vertikale einander durchdringen kann etwas Neues entstehen. Diese Erfahrung möchte ich dem Betrachter vermitteln. “

Das Grundprinzip der Performances mit Sand von Elvira Wersche ist „Entstehen und Vergehen“ – ganz wie Wüstenlandschaften, die durch den Wind in immer neue Formationen und Strukturen geraten, die schließlich durch Sandstürme wieder vernichtet werden. Auch die Künstlerin vermengt die mühsam ausgearbeiteten Sandstrukturen aus unterschiedlich farbigen Sandsorten am Ende der Performance, und so vergeht das Bild, ja zerfällt sprichwörtlich zu Staub. Das Eigentliche an dieser Kunst ist damit nicht dasjenige, was bleibt und angeschaut werden kann, sondern das, was sich verändert und erlebt werden kann in seinem „Entstehen und Vergehen“.”

Prof. Dr. Mamoun Fansa
Ltd. Museumsdirektor
Landesmuseum für Natur und Mensch
Oldenburg, 2009